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In der Informationstechnologie wird die Zunahme an Zugriffsberechtigungen, die Mitarbeiter aufgrund veränderter Rollen und Verantwortlichkeiten im Unternehmen nicht mehr benötigen, als „Privilege Creep“ bezeichnet. Mit der Anhäufung unnötiger Privilegien eröffnen sich vielfältige Zugriffswege für Bedrohungsakteure, die unbefugten Zugriff auf sensible Daten bekommen und Unternehmen wachsenden Risiken durch schwerwiegende Datenschutzverletzungen aussetzen. Dieser Blogbeitrag betrachtet verschiedene Faktoren, die zur Ausweitung von Privilegien beitragen, und stellt realisierbare Strategien zur Aufrechterhaltung des Prinzips der geringsten Privilegien (PoLP) vor.
Privilege Creep bezieht sich auf die unbeabsichtigte Anhäufung von Zugriffsrechten und Berechtigungen durch Mitarbeiter, die über das hinausgehen, was für ihre aktuellen Arbeitsfunktionen erforderlich ist. Das Problem tritt häufig auf, wenn Mitarbeiter befördert werden oder neue Rollen übernehmen, ohne dass ihre Zugriffsrechte entsprechend angepasst werden. Dies hat zur Folge, dass sie Berechtigungen behalten, die sie für ihre aktuellen Aufgaben nicht mehr benötigen.
Für Unternehmen kann Privilege Creep zu einem ernsthaften Sicherheitsrisiko anwachsen, da sich die Wahrscheinlichkeit von Datenschutzverletzungen, Insider-Bedrohungen und Compliance-Verstößen schrittweise erhöht. Es ist wichtig, das die Gefahren durch Privilege Creep verstanden und erkannt werden, um sie im nächsten Schritt verhindern zu können.
Zu den Hauptursachen für Privilege Creep gehören Rollenwechsel und Beförderungen, bei denen Mitarbeiter ihre Zugriffsrechte für die bisherigen Aufgabenbereiche und Positionen weiter behalten. Grundschutzanforderungen wie NIST PR. AC-1 weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Kontenberechtigungen bei neuen Zugriffsanforderungen regelmäßig überprüft werden sollten. Verändern sich die Zuständigkeiten, können zusätzliche Zugriffsrechte gewährt werden, ohne dass veraltete Rechte widerrufen werden.
Die daraus resultierenden Sicherheitsrisiken sind offensichtlich — laut einer Studie von Cybersecurity Ventures fand 2023 alle 39 Sekunden ein Cyberangriff statt, was über 2.200 Attacken pro Tag entspricht. Diese Angriffe reichen von einfachen Phishing-Versuchen bis hin zu ausgeklügelten Datenschutzverletzungen, so dass es für Organisationen oberste Pflicht ist, zum Schutz von Enterprise-Umgebungen alle notwendigen Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.
Die Anhäufung von Berechtigungen kann in verschiedenen Szenarien innerhalb einer Organisation auftreten – oft unbeabsichtigt – was zu potenziellen Sicherheitsrisiken führt. Hier sind einige gängige Szenarien:
1. Rollenwechsel — Wenn Mitarbeiter die Rolle oder Abteilung wechseln, behalten sie oft die Zugriffsrechte aus ihren vorherigen Positionen. Ohne eine regelmäßige Überprüfung und Anpassung der Berechtigungen können diese Personen im Laufe der Zeit unnötige Privilegien ansammeln.
2. IT-Offboarding — Wenn Mitarbeiter ein Unternehmen verlassen, können unzureichende Offboarding-Prozesse dazu führen, dass Konten mit erhöhten Berechtigungen bestehen bleiben. Diese Konten sind häufige Angriffspunkte, wenn sie nicht ordnungsgemäß deaktiviert werden.
3. Zeitlich begrenzte Zugriffsanfragen — Temporäre Zugriffsrechte, die für bestimmte Projekte oder Aufgaben gewährt wurden, werden nach Erledigung der Arbeiten häufig nicht widerrufen. Nach und nach sammeln sich diese temporären Berechtigungen an und ermöglichen mehr Zugriffsoptionen als nötig.
4. Gruppenzugehörigkeiten — Für den Zugriff auf bestimmte IT-Ressourcen werden Benutzer bestimmten Gruppen mit erhöhten Berechtigungen hinzugefügt. Ohne eine regelmäßige Überprüfung verfügen dadurch einige Benutzer durch mehrere Gruppenmitgliedschaften über zusammengetragene Berechtigungen, die ihnen unbeabsichtigte Zugriffsmöglichkeiten verschaffen.
5. Schatten-IT und nicht autorisierte Anwendungen — Viele Benutzer setzen nicht autorisierte Software oder Tools ein, die erhöhte Berechtigungen erfordern und sich selbst oder anderen Nutzern unnötige Zugriffsrechte gewähren.
6. Geteilte Konten — Gemeinsam genutzte Konten verfügen über immer mehr Berechtigungen, wenn mehrere Benutzer mit unterschiedlichen Anforderungen darauf zugreifen. Die Nachverfolgung und IT-Verwaltung solcher Berechtigungen stellt eine erhebliche Herausforderung dar.
Privilege Creep führt zu mehreren Sicherheitsrisiken und Herausforderungen im Unternehmensbetrieb, denen sich IT-Sicherheitsverantwortliche stellen müssen. Dazu gehören unter anderem:
Diese Bedrohungen betreffen nicht nur den Quellcode oder vertrauliche Daten. Selbst die Beschaffung von Medien aus Digital-Asset-Management-Bibliotheken muss so erfolgen, dass Sicherheitsanforderungen jederzeit priorisiert werden, falls die betreffenden Anbieter kompromittiert wurden. Darüber hinaus wächst das Gefahrenpotenzial durch interne Bedrohungen, wenn Mitarbeiter über mehr Zugriffsrechte verfügen, als sie tatsächlich benötigen. Verärgerte oder böswillige Mitarbeiter könnten die überdimensionierten Berechtigungen ausnutzen und zu einem erheblichen Risiko für die Sicherheit und Stabilität des Unternehmens werden.
Die Identifizierung von Privilege-Creep-Risiken einer Organisation erfordert einen systematischen Ansatz bei der Überwachung und Überprüfung von Zugriffen. Unbedingte Voraussetzung für die Aufrechterhaltung der Sicherheit ist eine kontinuierliche Überwachung der Benutzerzugriffe und -berechtigungen, um sie an aktuelle Arbeitsanforderungen anpassen zu können. Mit automatisierten Tools lässt sich dieser Prozess vereinfachen, indem die Zugriffsrechte in Echtzeit verfolgt und Anomalien hervorgehoben werden.
Wenn Sie auf der Suche nach einer umfassenderen Lösung sind, verwenden Sie Identity Security Insights von BeyondTrust. Dieses Tool fasst Berechtigungs- und Zugriffsdaten aus verschiedenen Anwendungen auf einem einzigen IT-Dashboard zusammen und ermöglicht es IT-Sicherheitsteams, die Zugriffsrechte effizient zu überprüfen sowie Identitätsschwachstellen und andere Bedrohungen aufzudecken.
Rechtzeitige Warnmeldungen sind ein wichtiger Aspekt bei der Identifizierung von Privilege-Creep-Gefahren. Ungewöhnliche Zugriffsmuster, wie beispielsweise Zugriffe von Mitarbeitern auf IT-Systeme oder Daten, die außerhalb ihres Aufgabenbereichs liegen, können Indikatoren für eine schleichende Rechteausweitung sein. Auch Zugriffsrechte, die nicht auf die Jobfunktionen abgestimmt sind, sind deutliche Zeichen dafür, dass Nutzerberechtigungen überprüft und angepasst werden müssten. Hat ein Marketingmitarbeiter beispielsweise Zugriff auf Buchführungssysteme, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass seine Zugriffsrechte nicht richtlinienkonform zugeteilt sind.
Eine effektive Vermeidung von Privilege-Creep-Risiken beginnt mit der Implementierung von Least-Privilege-Richtlinien, bei denen feste Zugriffsrechte für jede Position im Unternehmen festgelegt werden. Auf diese Weise steht fest, dass Mitarbeiter nur über die erforderlichen Berechtigungen für ihre jeweiligen Aufgabenbereiche verfügen. Neuen Mitarbeiter sollten zu Beginn minimale Zugriffsrechte zugewiesen werden und sie sollten zusätzliche Berechtigungen erst dann erhalten, wenn ihre Verantwortlichkeiten wachsen. IT-Werkzeuge für Identity Governance and Administration (IGA) und Privileged Access Management (PAM) sind für die Überwachung und Verwaltung der Zugriffsrechte einer Organisation unerlässlich. Sie helfen IT-Verantwortlichen dabei, die IT-Richtlinien einer Organisation effektiver durchzusetzen.
Zur Kontrolle von Benutzerzugriffen ist die Konfiguration strenger Zugriffsrichtlinien ebenfalls entscheidend, um Berechtigungen erlauben, überprüfen und widerrufen zu können. Auch die rollenbasierte Zugriffskontrolle (Role-based Access Control, RBAC) ist ein leistungsstarker Mechanismus zur Vermeidung von Privilege-Creep-Gefahren. Durch Zuweisung von Berechtigungen auf der Grundlage von Rollen (und nicht von Einzelpersonen) trägt die RBAC-Implementierung dazu bei, die Zugriffsverwaltung zu vereinfachen und zugleich die Wahrscheinlichkeit zu senken, dass Benutzer über übermäßige Privilegien verfügen.
Eine regelmäßige Aktualisierung der Rollen und zugeordneten Berechtigungen sorgt dafür, dass sie mit den aktuellen Jobfunktionen übereinstimmen. Ändert sich beispielsweise die Rolle eines Mitarbeiters, sollten seine Zugriffsrechte umgehend an die neuen Verantwortlichkeiten angepasst werden. Mit Blick auf die Zugriffssicherheit müssen dafür auch die RBAC-Richtlinien kontinuierlich überprüft und verfeinert werden.
Die Auswahl der richtigen Tools und Technologien für die Zugriffsverwaltung ist wichtig, um Privilege Creep zu verhindern und eine hohe Sicherheit zu gewährleisten. Als Ausgangspunkt für die Verbesserung Ihrer Sicherheit insgesamt empfiehlt es sich, eine zuverlässige und einfach zu bedienende MFA-Lösung einzusetzen, die Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) für alle Benutzer, Anwendungen und Geräte erzwingt.
Lösungen für Identity and Access Management (IAM) wiederum sind die beste Wahl, um Berechtigungen zu überwachen, Daten zu schützen und so die schleichende Ausweitung von Berechtigungen zu verhindern. Zu den beliebtesten Tools zählen Okta oder Microsoft Entra ID, aber auch andere Lösungen bieten Funktionen zur Verwaltung der Benutzerzugriffe und Berechtigungen. Achten Sie bei der Auswahl eines IAM-Systems auf Funktionen wie Benutzerbereitstellung, rollenbasierte Zugriffssteuerungen und detaillierte Berichterstellung.
Diese Funktionen vereinfachen den Genehmigungsprozess und das Widerrufen von Zugriffsrechten, so dass Berechtigungen immer auf die Arbeitsprofile abgestimmt sind. Die Automatisierung und Überwachung sind ebenfalls wichtige Bestandteile eines effektiven Zugriffsmanagements:
Die Schaffung einer umfassenden Sicherheitskultur im Unternehmen erfordert die Verankerung einer sicherheitsorientierten Denkweise bei allen Mitarbeitern und die Sensibilisierung für den Schutz von Daten und IT-Systemen.
Verantwortungsbewusstsein
Es ist wichtig, dass Sie Ihre Mitarbeiter aktiv ermutigen, Verantwortung für das Zugriffsmanagement zu übernehmen. Auf diese Weise schützen sie sich nicht nur vor Identitätsdiebstahl, sondern leisten auch einen entscheidenden Beitrag, das Gesamtunternehmen vor potenziell katastrophalen Schäden zu bewahren.
Sie erreichen dies, indem Sie Rollen und Verantwortlichkeiten in Bezug auf Datenzugriffe klar definieren und die Bedeutung der Einhaltung von Sicherheitsprotokollen regelmäßig betonen. Die Implementierung robuster Schulungsprogramme, die reale Szenarien einbeziehen, unterstützt Mitarbeiter dabei, die Auswirkungen von Sicherheitsverletzungen und die Bedeutung ihrer Rolle bei der Verhinderung von Sicherheitsverletzungen zu erkennen.
Kontinuierliche Verbesserungen
Ihre Sicherheitsrichtlinien und -verfahren sollten nicht statisch sein. Vielmehr sollten sie regelmäßig aktualisiert werden, um aufkommenden Bedrohungen begegnen zu können. Ermutigen Sie Ihre Mitarbeiter deshalb aktiv dazu, Feedback zu den bestehenden Sicherheitsmaßnahmen zu geben, damit ihre wertvollen Erkenntnisse für weitere Verbesserungen sorgen.
Regelmäßig eingeplante Sicherheitsüberprüfungen und -bewertungen können Schwachstellen und andere Risiken identifizieren, und durch Einbeziehung der Mitarbeiter kann das Verständnis und Engagement für die Sicherheitsmaßnahmen erhöht werden.
Privilege Creep stellt eine erhebliche Bedrohung sowohl für die Sicherheit Ihres Unternehmens als auch für die Effizienz Ihres Betriebs dar. Durch proaktive Identifizierung und Behebung dieses Problems können Unternehmen ihre sensiblen Daten schützen und gleichzeitig ein optimiertes Zugriffsmanagement aufrechterhalten. So lässt sich die schleichende Ausweitung von Privilegien effektiv bekämpfen, um Organisationen vor unbefugten Zugriffen auf ihre IT-Systeme und daraus resultierenden Datenschutzverletzungen zu schützen.
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